Europaschule

Motivationshilfe und Handwerkszeug. Mit einem Scheck über 103 Euro und einer großen Kiste voller Messgeräte besuchte Bauamtsvertreterin Britta Kopischke (Bild li.) die Energie-Projektgruppe der Europaschule. Die Geldprämie belohnt die nachgewiesene Energieeinsparung der Schule im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr. Sie ist als Motivationshilfe willkommen, aber viel wichtiger ist den Neuntklässlern, dass sie jetzt mit Datenloggern und Messgeräten für Temperatur- und Kohlendioxid-Messungen loslegen können. Jeweils parallel in vier Klassen werden die Messgeräte aufgestellt, die Klassen informiert und nach einer Woche die Daten ausgewertet. Die Schülerinnen und Schüler wollen wissen, ob die neue Heizanlage der Schule so funktioniert, wie sie soll, und die festeingestellten Thermostate an den Heizungen den richtigen Temperaturbereich von 20 bis 21 Grad sicherstellen. Außerdem untersuchen sie die Raumluftqualität und das Lüftungsverhalten in den Klassen. Im Winter wollen Schüler und Lehrkräfte nicht nur warme Räume, sondern auch gute Luft zum Arbeiten haben. Die Projektgruppe wird auch im dritten Projektjahr von Physiklehrer Andreas Wichert (auf unserem Bild im Hintergrund) betreut.


Heizung ohne Thermostate. Aus Angst vor Zerstörungen hat man in der Euriopaschule an sämtlichen Heizkörpern in den Unterrichtsräumen die Thermostate entfernt. Damit ist eine an die realen Verhältnisse in den Räumen angepasste Regelung der Raumtemperatur nicht mehr möglich. Alle Heizkörper sind ständig auf Volllast aufgedreht und wenn es zu warm ist, muss man das Fenster aufmachen, während die Heizkörper weiter Wärme in den Raum pumpen. Dass dies einer der Hauptgründe für den besonders hohen Energieverbrauch der Schule ist, stört die Schülerinnen und Schüler, die in der Energie-AG mitarbeiten. Zusammen mit ihrem Physiklehrer Andreas Wichert haben sie sich jetzt über die Funktionsweise von Thermostaten schlau gemacht, um eine Argumentationsbasis zu haben. Mit Mess- und Aufzeichnungsgeräten erfasst die Arbeitsgruppe in den nächsten Wochen die Temperaturverhältnisse in den Klassen. Gerne würden sie in ein oder zwei ausgewählten Klassenräumen dann regelbare Thermostatventile testen, um nachzuweisen, dass damit Energe gespart werden kann. Außerdem gehen die Energieaktivisten der Frage nach, wie hoch die CO2-Werte im Winter in den Schulklassen sind. Zuviel Kohlendioxid in der Raumluft macht müde und beeinträchtigt Konzentration und Lernfähigkeit.


Woher kommt die Wärme für unsere Schule? Die fünf Schülerinnen und Schüler der Klasse 7b der Europaschule, die sich als "Teamchefs" ihrer Projektgruppen gemeldet haben, trafen sich mit ihrem Lehrer Andreas Wichert, um die Heizanlage der Schule genauer zu inspizieren. Die Schule wird mit Gas beheizt. Die Siebtklässler fanden die beiden Heizkessel in einem abseits der Schule stehenden alten Heizhaus. Diese Lage hat den Effekt, dass die Wärme in Rohrleitungen unter dem Schulhof ins Gebäude gelangt - wodurch unnötige Energieverluste entstehen. Die 25 Jahre alte Heizanlage soll sobald als möglich ersetzt und ins Schulhaus integriert werden.


Ausreißer! Die Europaschule weist beim Wärmeenergieverbrauch seit langem extrem hohe spezifische Werte auf. Pro Quadratmeter Nutzfläche werden pro Jahr 160 bis 180 Kilowattstunden aufgewendet, um die Schule zu heizen. Die benachbarte Grundschule und der dortige Hort schneiden im Vergleich dazu wesentlich besser ab - sie benötigen nur um die 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Es ist klar, dass ein so hoher Energieverbrauch durch ein bewussteres Verhalten der Gebäudenutzer allein nicht wesentlich verbessert werden kann. Die veraltete und schlecht regelbare Heizanlage und die Schließung einiger Energielecks am Gebäude sind erforderlich, um die Europaschule vom Image des Klimasünders zu befreien.


Untersuchung im Treibhaus. Als sich die Schülerinnen und Schüler der 7b mit dem Klimawandel beschäftigten, um ihren Mitschülern erklären zu können, warum sie sich als Energiedetektive engagieren, fiel ihnen ein, dass auf dem Schulgelände ein altes kleines Gewächshaus steht. Obwohl es etwas heruntergekommen aussieht und auch kleinere Löcher aufweist, erbrachte der Vergleich der Temperaturen innerhalb und außerhalb des Gewächshauses einen deutlichen Temperaturunterschied. Beweis dafür, dass kurzwellige energiereiche Lichtstrahlung hinein kommt, aber nur ein Teil der langwelligen Wärmestrahlung wieder durch die Scheiben des Gewächshauses hinaus geht. Im großen Maßstab ist dieser Effekt für die weltweite Klimaerwärmung verantwortlich. Vielleicht könnte eine Schüler-AG der Europaschule das verfallende Treibhaus ja sanieren und als Anschauungsbeispiel und Lernobjekt für die ganze Schule in Betrieb nehmen?


Projektstart in der Klasse 7b: 20 Schülerinnen und Schüler und ihr Physiklehrer Andreas Wichert waren beim Einstieg in die Projektarbeit am 17. November 2016 mit von der Partie. Um das breite Aufgabenspektrum abzudecken und die ganze Schule in die Untersuchungsphase einbeziehen zu können, bildete die Klasse 7b fünf Teams:

  • Team 1 beschäftigt sich mit der Untersuchung des Wärmeenergieverbrauchs an der Schule. Begonnen hat die Gruppe mit Wärmebildaufnahmen. Nachdem sie sich mit der Thermokamera vertraut gemacht hatten, stießen sie bereits auf erste Energielecks an der Schule. Im Naturwissenschaftsfachraum erzeugt ein schlecht eingebautes Lüftungsrohr eine Dämmungslücke. Schon bei den relativ milden Außentemperaturen am 17.11. betrug die Wärmedifferenz am Austritt des Rohres 4.5 Grad Celsius. Die Gruppe will während des Winters weitere Wärmebilduntersuchungen des Schulgebäudes machen und sich außerdem mit dem Heizsystem beschäftigen.
  • Die Teams 2 und 3 konzentrieren sich auf das Thema "Heizen und Lüften". Mit Datenloggern, die die Messwerte aufzeichnen, untersuchen sie den Temperaturverlauf und den CO2-Gehalt in Klassenräumen. Auch die Luftfeuchte erfassen sie, um alle Daten dann mit EXCEL auszuwerten und anschauliche Diagramme zu erstellen. Die Ergebnisse wollen sie anschließend mit den Schülern und ihren Klassenlehrkräften diskutieren. "Wie erreichen wir eine gute Luftqualität im Winter, ohne dass wir Energie zu verschwenden?", das ist die Frage, die sie in der Praxis beantworten wollen.
  • Ebenfalls zwei Teams beschäftigen sich mit dem Stromverbrauch an der Schule. Teams 4 und 5 beginnen dabei zunächst mit der Beleuchtung. Sie messen an allen Schülerarbeitsplätzen in den Klassen die Beleuchtungsstärke und vergleichen die Werte mit den geltenden Normen. Herausfinden wollen sie nicht nur, wo möglicherweise unnötig das Licht brennt, sondern auch, wo es an Schülerarbeitsplätzen möglicherweise zu dunkel ist.

Beim ersten Rundgang durch die Schule fielen uns hier beispielsweise die großflächigen Einfachverglasungen in den Treppenhäusern auf. Die Schüler-Projektgruppe wird demnächst mit einer Wärmebildkamera und durch Temperaturaufzeichnungen untersuchen, wie groß dieses vermutliche Energieleck an ihrer Schule ist. Eine ganze siebte Klasse wird zusammen mit ihrem Physiklehrer nach solchen Mängeln in ihrer Schule suchen und Verbesserungsvorschläge machen.